(CASH-Artikel vom 25.06.2026)
Mit dem Lieferkettengesetz (CSDDD) und der Entwaldungsverordnung (EUDR) hat die EU zwei Richtlinien auf den Weg gebracht, die in den nächsten Jahren schlagend und manche Branchen unter Druck setzen werden. CASH hat beim österreichischen Kaffee- und Teeverband nachgefragt, welche Auswirkungen ihn für die beliebten Heißgetränke erwarten. Mit der Entwaldungsverordnung,
kurz EUDR, hat die EU ein Klimaschutzgesetz verabschiedet, wonach der Verkauf von Produkten in der EU verboten ist, für die nach dem 31. Dezember 2020 Wälder gerodet wurden. Dafür müssen Unternehmen künftig lückenlose Nachweise vorbringen, unter anderem, woher die Rohstoffe stammen inklusive
Geodaten, aber auch den Zeitpunkt der Erzeugung. Für große Unternehmen gilt diese Verpflichtung bereits ab 30. Dezember 2026, mittlere und kleine Unternehmen haben immerhin bis zum 30. Juni 2027 Zeit.
Betroffen ist davon neben Soja, Rindfleisch oder Palmöl auch Kaffee. Und das stellt die Branche vor große Herausforderungen.
Besonders die verpflichtende geografische Rückverfolgbarkeit bis auf Parzellenebene bedeutet für viele Lieferketten einen hohen organisatorischen
und technischen Aufwand. Das beträfe insbesondere Kaffee aus Regionen wie
Äthiopien, Peru oder Indonesien, wo Kleinbäuerinnen und Kleinbauern häufig in Kooperativen organisiert sind, wie Geschäftsführerin Tina Antonius sowie die Präsidenten Marcel Löffler (Kaffee) und Stephan Krömer (Tee) gegenüber
CASH betonen. Gleichzeitig zeigt sich, dass die Auswirkungen weniger von der Kaffeequalität als von der Organisation der Lieferketten abhängen.
Bei Julius Meinl schätzt man zum Beispiel, dass vor allem jene Produzenten Vorteile haben, die in funktionierende Kooperativen oder größere Exportstrukturen eingebunden sind. Schwieriger könnte es dagegen für sehr kleine Produzenten werden, die bislang direkt an europäische Röster liefern und nun zusätzliche bürokratische Anforderungen erfüllen müssen, lässt man über den Verband ausrichten. Allerdings haben viele Unternehmen bereits in der Vergangenheit umfangreiche Systeme zur Rückverfolgbarkeit aufgebaut. Nespresso verweist auf langfristige Partnerschaften mit Farmerinnen und Farmern sowie Kooperativen, die Transparenz und Datenqualität erleichtern. „Langfristige, vertrauensvolle Partnerschaften mit Farmer:innen und Kooperativen sind entscheidend, um die erforderliche Transparenz und Datenqualität sicherzustellen“, heißt es aus dem Unternehmen. „Entscheidend wird sein, wie gut Produzenten und Kooperativen organisatorisch aufgestellt sind und welche Unterstützung sie beim Aufbau der notwendigen Systeme erhalten“, stellen der Kaffeeverband klar. Dass Spezialitätenkaffee verschwinden wird, darüber machen sich die Branche anscheinend keine Sorgen.
Vorteil für Tee?
Tee ist aktuell von der EUDR nicht berücksichtigt – was fürs Erste vor allem weniger Aufwand für die Branche bedeutet. Dennoch geht der österreichische Kaffee- und Teeverband davon aus, dass die Anforderungen an Transparenz und Nachhaltigkeit künftig weiter zunehmen werden, und sorgen entsprechend vor. Auch der Teeverband empfiehlt seinen Mitgliedern, freiwillig in entsprechende Systeme zu investieren und sich frühzeitig vorzubereiten. Einen Wettbewerbsvorteil versprechen sich die Teeimporteure im Kaffeeland Österreich durch die Ausnahme aber nicht. Aus Sicht von Julius Meinl zeigt sich auch im Teesektor, dass Transparenz, stabile Produzentenstrukturen und nachhaltige Beschaffung zunehmend zu Erfolgsfaktoren werden können, unabhängig von regulatorischen Anforderungen. Viele Lieferanten investieren bereits heute in höhere Transparenz, Datenqualität und belastbare Prozesse. Das sind Fähigkeiten, die langfristig zur Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit der Lieferketten beitragen. Hinzu kommt, dass Tee-Lieferketten oft noch kleinteiliger strukturiert sind als jene im Kaffeesektor.
Gerade bei kleinbäuerlichen Strukturen wäre eine Umsetzung von EUDR-ähnlichen Anforderungen äußerst komplex. Gleichzeitig beobachten Unternehmen in vielen Teeanbaugebieten bereits heute einen Trend zu nachhaltigeren Anbaumethoden und stabilen Produzentenstrukturen.
CSDDD trifft auch kleine Unternehmen
Ein weiteres Gesetz, das aktuell in Ausarbeitung ist und in den nächsten Jahren schlagend wird, ist die CSDDD (Corporate Sustainability Due Diligence Directive). Durch das Omnibus-I-Paket wurden die Schwellenwerte zwar angehoben, damit gilt es nur noch für Unternehmen mit einem Umsatz von 1,5 Milliarden Euro; allerdings wird befürchtet, dass große Lebensmittelhändler ihre Sorgfaltspflicht vertraglich nach unten weitergeben, wodurch auch mittelständische Unternehmen zum Zug kommen würden. In dem Fall wären auch viele Tee- und Kaffeeunternehmen betroffen, obwohl sie unter die gesetzte Umsatzgrenze fallen würden. Der österreichische Kaffee- und Teeverband spricht hier vom „Trickle-down-Effekt.“ Allerdings betonen sie, dass Nachhaltigkeit ohnehin zunehmend als Bestandteil moderner Unternehmensführung verstanden würde. Nespresso verweist im Zuge dessen darauf, dass Standards und Zertifizierungen helfen können, Nachhaltigkeit systematisch entlang der Wertschöpfungskette zu verankern und Unternehmen besser auf künftige regulatorische Anforderungen vorzubereiten.
Wird Kaffee zum Luxus?
Vor allem Kaffeeliebhaber:innen haben durch die angespannte Rohstoffsituation bedingt durch extreme Wetterereignisse und Ernteausfälle sowie steigende Produktionskosten schon in den vergangenen Monaten tiefer in die Tasche greifen müssen. Nespresso erklärte gegenüber über dem Kaffee- und Teeverband, wie bedeutungsvoll langfristiger Partnerschaften und Investitionen in regenerative Landwirtschaft sind, um die Widerstandsfähigkeit der Anbaugebiete zu stärken. Und auch bei Julius Meinl sehe man langfristige Partnerschaften, regenerative Ansätze und die Stärkung klimaresilienter Anbausysteme als entscheidende Hebel, um Qualität, Versorgungssicherheit und langfristige Wertschöpfung zu sichern.
Könnten die EU-Regelungen für Österreich dennoch ein Wettbewerbsvorteil sein?
Auch wenn die neuen EU-Regularien nicht spurlos an österreichischen beziehungsweise in Österreich tätigen Unternehmen vorbeigehen werden, hat das Alpenland den Vorteil, bereits in vielen Bereichen ohnehin einen höheren
Standard anzulegen. Gerade auch, was Bio, Fairtrade und Nachhaltigkeit angeht, sind die Rahmenbedingungen streng. Dass das ein Wettbewerbsvorteil und eine Chance sein könnte, sieht auch der österreichische Kaffee- und Teeverband: „Österreichische Kaffee- und Teeunternehmen verfügen traditionell über hohe Standards bei Qualität, Nachhaltigkeit, Bio-Produktion und Fairtrade-Zertifizierungen. Viele Betriebe setzen seit Jahren Maßnahmen um, die
nun regulatorisch eingefordert werden“, so Krömer, Löffler und Antonius. Entsprechend sehen sie darin die Chance, „den Standort Österreich als Qualitäts- und Nachhaltigkeitsmarkt weiter zu stärken“.








